Das waren die größten Überraschungen der EURO 2020

Mit einem Jahr Verzögerung ist die Europameisterschaft 2021 zu Ende gegangen und der neue Europameister kommt aus Italien. Trotz vieler Zuschauer stand das Turnier im Zeichen der Pandemie. Wir blicken zurück auf die interessantesten Begegnungen und analysieren Favoriten, Geheimtipps und Wettquoten.

Wer wurde seiner Favoritenrolle gerecht – und wer nicht?

Im Vorfeld eines jeden internationalen Turniers kommt es unter Fußballexperten und solchen, die es gerne wären, immer zu denselben Fragen: Wer gewinnt und welche Teams können für eine faustdicke Überraschung sorgen?

Um diese Fragen seriös zu beantworten, bedarf es tatsächlich einer gehörigen Portion Fußballsachverstand, aber auch Glück. Da im Nachhinein alle schlauer sind, können sich selbst die besten Prognosen von den ausgewiesensten Fachmännern als voll daneben herausstellen.

König Fußball lässt sich nur ungern in die Karten blicken. Immerhin liegt die Wahrheit bekanntlich auf dem Platz und sämtliche Einschätzungen vor Beginn eines Turniers bleiben Mutmaßungen – wenn auch gewisse Faktoren zu voreiligen Schlüssen in Bezug auf mögliche Vorhersagen dienlich sind. Doch was waren mit etwas Abstand die größten Überraschungen der EM?

Danish Dynamite sorgt für Furore

Für das beschauliche Dänemark startete die EM denkbar schlecht. Gleich im ersten Gruppenspiel im Duell der Nordeuropäer gegen das Team aus Finnland sollte das Schicksal gnadenlos zuschlagen: Kapitän und Gallionsfigur Christian Eriksen bricht auf dem Platz leblos zusammen und muss wiederbelebt werden. Der Schock stand einer ganzen Nation und der Fußballwelt in die Gesichter geschrieben.

Fast nebensächlich schien die Auftaktniederlage, nachdem die Partie dank Eriksens verbessertem Gesundheitszustand fortgesetzt werden konnte. Auch die Quote für den EM-Sieg der Dänen litt unter dem Ausfall ihres Topstars. Das Land startetete mit einer Quote von 26.00 die jedoch nach dem Ausscheiden ihres Stars jenseits der 50.00 fiel – jedoch zu Unrecht, wie sich im späteren Verlauf des Turniers herausstellte.

Eine Initialzündung für Dänemark, das sich im Anschluss mit einer immensen Willensleistung nach einer weiteren Niederlage gegen Belgien im letzten Gruppenspiel mit einem furiosen Sieg gegen Russland ins Achtelfinale kämpfte – und damit endgültig in die Herzen Millionen verzückter Fußballfans.

Nun schien das Wunder von Dänemark seinen Lauf zu nehmen. In der K.O.-Phase schalteten die motivierten Dänen dank eines ausgeklügelten taktischen Plans von Erfolgscoach Hjulmand die Waliser aus. Das Ergebnis sprach Bände: ein 4:0 ist eine sportliche Ansage. Im Viertelfinale wartete mit Tschechien eine weitere positive Überraschung der Euro auf Dänemark. Dank einer geschlossenen Mannschaftsleistung konnten auch die tapfer aufspielenden Tschechen geschlagen werden. Nun hieß der Gegner im Halbfinale England.

Obwohl die Briten zweifellos über die besseren Einzelspieler verfügen, verlief die Partie erwartungsgemäß eng. Nach der dänischen Führung schien die Sensation eines Finaleinzugs in greifbare Nähe zu rücken. In der Verlängerung mussten die Dänen nach einem umstrittenen Strafstoß die Segel streichen. Rückblickend war Dänemark der emotionale Sieger dieser Europameisterschaft und damit verbunden die größte sportliche Überraschung der EM.

Der Star ist die Mannschaft – viele kleine Gewinner

Die Euro kann neben den Dänen weitere Gewinner verzeichnen. Mit den Tschechen rechnete vor dem Turnier wohl niemand. Dem Team von Trainer-Ass Jaroslav Silhav gelang es, mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung auf sich aufmerksam zu machen. Am Ende folgte mit einem Sieg gegen die Niederlande im Achtelfinale sogar die faustdicke Überraschung. Wobei ganz so überraschend kam dieser Erfolg vielleicht doch nicht – denn gegen kein Team haben die Tschechen eine so positive Bilanz wie gegen die Elftal.

Für einen starken Teamgeist standen auch die Waliser, die sich in der Gruppenphase hinter Italien am Ende souverän für die K.O.-Phase qualifizierten, wo dann aber gegen stark auftrumpfende Dänen Schluss war.

Auch die Schweizer müssen in diesem Zusammenhang Erwähnung finden, denn obwohl sie sich nach einer durchwachsenen Gruppenphase mit einem Bein von der EM verabschiedet haben, konnten sich die Eidgenossen als einer der besten Gruppendritten für die Hauptrunde qualifizieren und das sollte sich für den geneigten Fußballromantiker auszahlen.

Die Truppe von Coach Vladimir Petkovic konnte sich im Achtelfinale gegen die schier übermächtigen Franzosen zur Überraschung vieler Zuschauer vor den TV-Geräten in einem der packendsten Spielen nach einem wahren Auf und Ab der Gefühle im Elfmeterschießen durchsetzen. Die ansonsten so zurückhaltenden Schweizer ließen ihrem Jubel freien Lauf und das kleine Alpenland erlebte einen unvergesslichen und zugegebenermaßen unerhofften Feiertag.

Als mannschaftliche Einheit kann sich natürlich auch EM-Sieger Italien brüsten. Die Kicker vom Stiefel verfügen zwar über exzellente Einzelspieler, doch der Schlüssel zum Erfolg lag in diesem Fall in einer außergewöhnlichen Sieger-Mentalität des gesamten Kaders. Allem voran Coach Roberto Mancini war es zu verdanken, dass die feierwütigen Italiener in der Nacht des 11. Juli in London den Pokal in die Lüfte stemmen durften.

Das Eigentor ist auch ein Tor

Auffällig und fast schon skurril war die Tatsache, dass die Euro sage und schreibe elf Eigentore zu bieten hatte, was als historische “Bestmarke” in Erinnerung bleiben wird. Ob aus purer Unkonzentriertheit oder auf Abstimmungsproblemen basierend, dieser Wert ist eine echte Überraschung. Darüber hinaus konnten einige junge Talente eine Duftmarke setzen – so zum Beispiel der erst einundzwanzig jährige Mikkel Damsgaard, der für Dänemark in mehreren Partien brillierte und Schütze des Führungstreffers im Halbfinale gegen England war.

Sein sehenswerter Freistoß und seine filigrane Ballbehandlung bleiben allen Fußball-Ästheten in positiver Erinnerung. Auch Tschechiens Patrik Schick konnte positiv überraschen und mit dem wohl spektakulärsten Tor von der Mittellinie sowie starken Leistungen in der Gruppenphase und im Achtelfinale ist der Stürmer von Bayer Leverkusen eine der Entdeckungen dieser EM. Englands quirliger Angreifer Raheem Sterling reihte sich ebenso in die Liste der besten Spieler der EURO 2020 ein. Unwiderstehliche Dribblings und eine beinahe chirurgische Präzision in seinen Pässen sind seine Markenzeichen.

Zum besten Spieler des Turniers wurde allerdings wenig überraschend ein Italiener gekürt. Mit Keeper Gianluigi Donnarumma gewann erstmals ein Torhüter diese besondere Auszeichnung. Sein bedingungsloser Rückhalt war in der Tat einer von mehreren Gründen für Italiens grandiosen Erfolg beim Turnier.

Mäßiger Überraschungsfaktor im Wettbüro

Große Wettanbieter wie bet365 hatten beide Endspielteilnehmer – die Italiener und die Engländer – bereits vor Turnierbeginn auf dem Zettel. Wobei letztere offenbar als Topfavorit unter den Anbietern galten: Wer vor Beginn der Euro auf die Briten gesetzt hätte, wäre mit einer Quote von 6.00 nicht unbedingt reich geworden.

Die Italiener landeten hingegen “nur” auf Platz sieben der hoch eingeschätzten Mannschaften und dies wurde mit einer Sieg-Quote von 12.00 quittiert. Wenig überraschend weit vorne mit dabei waren Frankreich (6.50), Belgien (7.00), Spanien (8.00) sowie Deutschland (9.00) und Portugal (10.00). Um ein Haar wären die Dänen ins Endspiel eingezogen, was ihnen bei einem Finalsieg eine fantastische Quote von 34.00 beschert hätte.