Wie BILD und ProSieben auf den deutschen Sportwettenmarkt drängen

Auf dem deutschen Glücksspielmarkt gibt es auch im Jahr 2022 interessante Entwicklungen, die ganz neue Blüten treiben. Wenig überraschend hat sich der Mediengigant BILD weiter nach vorne gewagt und mit dem eigenen Wettanbieter BildBet ein großes Programm aufgefahren, das der Konkurrenz Beine machen soll. Auch ein weiterer Mediengigant zeigt Interesse an Online-Sportwetten.

BildBet gehört zu den Wettanbietern, die sich gemäß des deutschen Glücksspielstaatsvertrages aus dem Jahr 2021 eine deutsche Lizenz gesichert haben und nun in die Vollen gehen möchten. BILD bzw. der mächtige Axel-Springer-Verlag möchten aber nicht der einzige deutsche Medienriese bleiben, der sich in diesem Geschäft in die Offensive traut. Es mehren sich die Anzeichen, dass ProSiebenSat.1 Media in großem Stil einsteigen möchte.

Wir checken die Gerüchte, die derzeitige Faktenlage und die aktuellen Situationen, prüfen die entsprechende Kritik und wagen einen Blick in die Zukunft von BILD, ProSiebenSat.1 und Co. – und wie sie den Wettmarkt in der Bundesrepublik Deutschland nachhaltig verändern könnten. 

Scharfe Kritik an medialer Berichterstattung

Kürzlich hat sich Bremens Innensenator Ulrich Mäurer von der SPD an den Deutschen Presserat gewandt, da er mahnt, dass die BILD-Zeitung „gezielt verharmlosend“ über Sportwetten und Glücksspiel berichten würde. Immer wieder interviewe man so genannte „Wett-Insider“ wie den Wett-Opa und Quotenwilly und ließ sie öffentlich Wett-Tipps geben.

Dabei wird bei Bild auch thematisiert, dass man mit Sportwetten sogar seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte. Der Hinweis, dass Glücksspiel süchtig machen könne, geht fast unter. In einer halbstündigen Podcast-Folge der BILD zum Beispiel kommt dieser Hinweise erst ganz zum Schluss.

Der Fachverband Glücksspielsucht e.V. (FAGS) hat bereits verlauten lassen, dass es sich bei der Bild in diesem Falle nicht um Berichterstattung, sondern um konkrete Werbung handeln würde. Doch ob der Deutsche Presserat nun tätig wird – zumindest über eine Rüge hinaus – steht in den Sternen. 

Gegenüber des Deutschlandfunk hat sich der Axel-Springer-Verlag zu Wort gemeldet und möchte verstanden wissen, dass man in der Zeitung sehr wohl auf die Risiken des Glücksspiels hinweise. Dass man in einer Podcast-Folge erst ganz zum Schluss den typischen Gesetzesabbinder einfügt, wurde aber nicht erwähnt.

Kommt das Werbeverbot für Wettanbieter?

Erneut wurde zudem die Forderung nach einem Werbeverbot für Glücksspielanbieter laut. Dafür setzt sich explizit Ilona Füchtenschnieder vom Fachverband Glücksspielsucht e.V. ein. Dass dies Erfolg haben wird, ist allerdings unrealistisch. Vor allem, da erst im Jahr 2021 der neue deutsche Glücksspielstaatsvertrag in Kraft getreten ist und klare Regelungen vorsieht

Zudem sind einige Wettanbieter längst auf dem breiten Markt etabliert. Künftig wird zum Beispiel auch die seriöse ARD-Sportschau von einem großen Anbieter für Sportwetten gesponsort. 

Markus Ruttig, Anwalt für Glücksspielrecht, hält zudem dagegen und sagt, dass aufgrund des neuen deutschen Gesetzestextes in der Werbung der Fokus auf die legalen Glücksspiele gelegt werden würde.

Somit würde der Markt aus der schummrigen Nische herauskommen. Es gäbe mehr Transparenz und Fairness. Die genaue Entwicklung müsse aber entsprechend noch abgewartet werden. Weiterhin ist auf dem Markt der deutschen Wettanbieter und Online-Casinos einiges in Bewegung.

Startet auch ProSiebenSat.1 einen Wettanbieter?

Einige Experten dachten, dass sich durch den neuen Glücksspielstaatsvertrag nur noch wenige Anbieter nach vorne trauen. Doch mittlerweile haben sich einige große Medienunternehmen mit der deutschen Konzession ausstatten lassen.

So traut sich auch der Mediengigant ProSiebenSat.1 aus der Deckung und möchte mit dem Axel-Springer-Verlag mithalten. Zum Unternehmen gehören aktuell unter anderem die Fernsehsender ProSieben, Sat.1, kabel eins, sixx, Sat.1 Gold, ProSieben Maxx und kabel eins Doku.

Der Konzern mit Sitz in Unterföhring bei München hat eine Zusammenarbeit mit Masterpiece Gaming bekanntgegeben. Über die Marke JackOne soll es künftig Sportwetten geben. Unterstützt wird die Plattform von Betsson und Techsson. Diese Kooperation ist laut Medienberichten auf zwei Jahre ausgelegt und kann im Anschluss entsprechend erweitert werden, heißt es.

Zuvor hat Betsson bereits weitere und ähnliche Deals geschlossen, z.B. mit iBet von der Claymore Group. Das Ziel von Betsson ist klar umrissen: weiter wachsen und dabei starke Partner mit ins Boot holen. Der Plan dürfte – Stand jetzt – voll und ganz aufgehen.

Mit Betsson und JackOne möchte ProSiebenSat.1 nun auch die Finger im Spiel haben und Konkurrenten wie BildBet möglichst bald überholen. Zuletzt waren allerdings Meldungen zu lesen, nach denen JackOne den deutschen Markt permanent verlassen solle. Die Zukunft des Projekts steht also derzeit in den Sternen.

Werden Bild und ProSieben den deutschen Markt erobern?

Klar ist: Der Axel-Springer-Verlag und auch ProSiebenSat.1 Media machen keine halben Sachen. Mit voller Power aktivieren sie nun ihr Potenzial auf dem Glücksspielmarkt und sehen die neue deutsche Lizenz eher als Chance denn als Hürde. Einige Konkurrenten haben sich vom deutschen Markt bereits abgewendet, da die Bedingungen gemäß des Glücksspielstaatsvertrags zu streng geworden sind. Nun ist zudem die zentrale Datei LUGAS eingerichtet worden, die auch vorschreibt, dass User nur noch maximal 1.000 € im Monat setzen dürfen.

Da Bild BILD auch ProSiebenSat.1 also nicht viel zu verlieren haben und ohnehin über eine erfolgreiche Marke verfügen, dürften sie auch mehr Risiko eingehen und sich somit auch einen entsprechenden Vorteil gegenüber der Konkurrenz erarbeiten.

Im Weg stehen könnten den Mediengiganten nun die Politik oder der Deutsche Presserat. Beschwerden gibt es immer mal wieder, konkret getan wurde allerdings noch nichts. Auch die BILD-Zeitung darf weiter werben. Wenn allerdings die Hinweise zur Suchtprävention gegenüber der Werbung für das eigene Produkt hintenanstehen, könnte es doch Konsequenzen geben.

Insgesamt ist aber davon auszugehen, dass sich der Medienriese entsprechend absichern wird, um für die Zukunft gewappnet zu sein. Dasselbe dürfte für das Riesenunternehmen von ProSiebenSat.1 Media gelten. Maximal dürfte es auf eine Rüge hinauslaufen, die den großen Unternehmen kaum Schaden zufügen würden.